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Wilhelm-Bölsche-Schule

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Exkursion der Klasse 10d zur Gedenkstätte Sachsenhausen - 08.06.2016

Beginnen möchte ich diesen Bericht mit unserer Ankunft in der Gedenkstätte Sachenhausen. Nach kurzem Warten kam unser Guide Ivan, ein junger Student aus Russland, der hier slawische Sprachen studiert, jedoch war seine Ausdrucksweise bis auf einige kleine Fehler nahezu perfekt.

Als erstes führte er uns in das Hauptgebäude. Es ragte über jedes andere hinaus und hatte etwa unheilvolles an sich. Kein Wunder, es war das ehemalige Verwaltungs- und Hauptgebäude von Sachsenhausen, von dessen Balkon man das gesamte Lager im Blick hatte. Ivan erzählte uns, dass die perfekte Dreiecksform extra von den Architekten geplant wurde, da man so den gesamten Bereich einsehen und überwachen konnte. Aber aufgrund des Krieges musste das Lager vergrößert werden. Dies hatte zur Folge, dass man etwa 10 Barracken nicht sehen konnte. Nach einigen weiteren Erklärungen wandten wir uns eben diesen Barracken zu. Wir kamen an dem ehemaligen Appellplatz vorbei, hier wurden etliche Verbrechen der Wachmannschaften verübt wie z.B. den 14-stündigen Apell im Winter, wo mehr als ein Dutzend Menschen starben.

Als wir die Barracken erreichten fiel uns sofort auf, dass nur noch zwei standen. Die anderen ehemaligen Standorte waren mit Kies markiert. Dies war wie uns später erklärt wurde, das Werk der DDR, die das Motto verfolgte „Faschismus bekämpft man am besten mit Anti-Faschismus“. Als wir die erste der beiden Barracken betraten, sammelten wir uns an einer Infotafel auf der eine Art Tabelle montiert war, die z.B. politisch Verfolgte zeigte. Hier wollte der Guide uns zeigen, mit welcher Willkür man damals in so ein Schutzhaftlager gekommen ist. Leises Gemurmel machte sich breit, als er mit seiner Geschichte fertig war. Daraufhin sagte er uns, dass wir uns in 15 min vor der zweiten Baracke treffen würden.

Die zweite „Unterkunft“ strahlte eine viel düstere Stimmung aus. Als wir uns an den Sanitäranlagen vorbeigezwängt hatten, kamen wir in den Aufenthaltsraum, wo früher die Insassen ihre Zeit verbracht haben. Sofort fielen uns die schwarzen Deckenbalken auf und man sagte uns, dass dies das Werk von Jugendlichen gewesen war, die einmal die beiden Barracken in Brand gesteckt hatten. Nach dem Brandanschlag war sie weitestgehend rekonstruiert worden, hat aber nichts von ihrer Trostlosigkeit verloren. Hinter diesem Aufenthalt Raum erstreckte sich der Schlafbereich: dreistöckige Holzpritschen füllten dicht an dicht gedrängt den Raum. Ausgelegt war eine Hälfte der Barracken wohl für 400 Personen, in Hochzeiten wurden hier aber mehr als 8oo Menschen untergebracht. Dies machte allen von uns klar, was für Zustände in diesem Lager wohl geherrscht haben müssen.

Als wir wieder aus der Baracke hinausgegangen waren, teilte Ivan uns mit, dass wir jetzt zur letzten letzten Station der Tour gehen würden, dem Krematorium. Dieses Gebäudes lag aber auf der anderen Seite des Lagers also mussten wir das Lager einmal durchqueren, wobei wir einen Eindruck bekamen, wie groß dieses überhaupt war. Nachdem wir nun das Krematorium erreicht hatten, waren wir etwas enttäuscht, da wir nur die Grundrisse des Gebäudes sahen und kein intaktes Gebäude. Es war ebenfalls von der DDR-Führung abgerissen worden. Man erklärte uns, dass am Anfang des Massenmordes gar kein Gas zum Einsatz kam, sondern dass es Massenerschießungen gab. Erst als Heinrich Himmler, der Reichsführer SS Zeuge einer dieser Erschießungen wurde, schockierte ihn das so sehr, dass er nach einer anderen Methode suchen lies. Später, als man dann Gas zum Hinrichten benutzte, begann auch die SS eine Gaskammer mit Brennöfen in Sachsenhausen zu bauen. Nach den Erläuterungen Ivans zu diesem Thema, konnte man die Betroffenheit der Gruppe fast greifen. Man konnte sich kaum vorstellen, dass jemand zu so etwas fähig war, denn diese Männer waren keine Monster, sie waren Väter und Söhne wie andere auch.

Damit endete die Tour und wir gingen wieder zum Ausgang, wo man uns durch ein Tor nach draußen führte. Wir sahen uns noch einmal um als wir von der Gedenkstätte weg fuhren. Wir sahen, wie die Stilette der Wachtürme immer kleiner wurden, aber dennoch verhießen diese Türme etwas Unheilvolles und verstärkten den Eindruck, dass es aus diesem Lager kein Entkommen gab.

Julian Menzel, 10d

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